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MTS


 

Der medizinische Thromboseprophylaxestrumpf:

Der medizinische Thromboseprophylaxestrumpf (MTS) soll eine dauerhafte Steigerung des venösen Rückflusses erreichen. Durch den Druck des Strumpfes auf die oberflächlichen Venen wird diese Wirkung erreicht. Das Lumen des Venensystems wird somit verkleinert und die Fließgeschwindigkeit des venösen Blutes steigt. Um die rückflussfördernde Wirkung zu erreichen, muss der Druck, den der Strumpf auf das Bein ausübt, von distal nach proximal kontinuierlich abnehmen.

Die lateinischen Bezeichnungen distal (rumpffern) und proximal (rumpfnah) beziehen sich immer nur auf die Extremitäten. (Kümmel/Siefert, S. 47)

Die relativ geringe Druckstärke eines Thromboseprophylaxestrumpfes bezieht sich auf eine Förderung des venösen Rückstroms beim liegenden Bewohner. Nur im Liegen wird eine Förderung des venösen Rückstroms durch den Strumpf sichergestellt, er wird deshalb auch als „Liege- oder Bettstrumpf“ bezeichnet.

Im Stehen reicht die Druckstärke eines Thromboseprophylaxestrumpfes nicht aus. Die elastischen Venenwände dehnen sich und das Bein füllt sich gemäß der Schwerkraft mit venösem Blut an. Der Gegendruck des MTS ist im Stehen nicht stark genug, um das Venensystem effektiv zu komprimieren. Der Strumpf ist damit nahezu wirkungslos, allerdings bei gutem Sitz auch nicht schädlich.

Der medizinische Thromboseprophylaxestrumpf  wird häufig noch als Antithrombosestrumpf (ATS) bezeichnet. Die Deutsche Gesellschaft für Phlebologie (DGP) hat die Umbenennung von ATS zu MTS festgelegt. Dies ist sinnvoll, da in der neuen Bezeichnung deutlich wird, dass es sich um eine prophylaktische Maßnahme handelt. (Sander/Schneider, S. 18)

Thromboseprophylaxestrümpfe werden bei immobilen Bewohnern angewendet. Die Tragezeit soll auf den notwendigen Zeitraum beschränkt werden: Sowie ein Bewohner ausreichend mobil ist, kann auf das Tragen der Strümpfe verzichtet werden. Es ist wichtig, den Zeitpunkt des Absetzens der Strümpfe in Rücksicht auf die bestehenden Risikofaktoren und die Häufigkeit der Bewegungen individuell zu bestimmen.

  

Bei folgenden Gesundheitsstörungen dürfen keine Thromboseprophylaxestrümpfe getragen werden:

-         Bei arteriellen Durchblutungsstörungen kann die Kompression die arterielle Mangeldurchblutung verstärken.

-         Bei einer Rechtsherzinsuffizienz kann durch die Einengung des Venenvolumens der venöse Rückstrom überlastet werden.

-         Bei Hauterkrankungen, z. B. Ekzemen, kann eine Schädigung der Oberhaut verstärkt werden.

-         Bei Beinödemen reicht die Kompressionsstärke des Strumpfes nicht aus, um eine Gewebeentwässerung zu erreichen, die Gefahr von Einschnürungen und Stauungen durch den Strumpf ist gegeben.

-         Bei allergischen Hautreaktionen muss auf den MTS verzichtet werden.

 

Durchführung:

Es wird zunächst geprüft, ob bei dem Bewohner Gesundheitsstörungen vorliegen, die das Tragen von MTS verbieten.

In einem Informationsgespräch mit dem Bewohner wird die Wichtigkeit des Tragens von MTS erklärt. Dem Bewohner sollte die Wirkung von MTS erklärt werden und dass er sie, falls er bettlägerig ist, 24 Stunden am Tag tragen muss.

Die Strümpfe sollten grundsätzlich im Liegen angezogen werden. Wichtig ist, dass die Beine vor dem Anziehen der Strümpfe gut entstaut sind, d. h. die eventuell bestehenden Blutstauungen in den erweiterten Venenabschnitten müssen zuvor entleert werden. Eine gute Entstauung wird erreicht, indem die Beine 20 Minuten um 20° hochgelagert werden. Alternativ dazu können die Beine eine Minute um 90° angehoben werden. Dies wird jedoch in der Arbeit mit alten Menschen in den seltensten Fällen möglich sein .(Sander/Schneider, S. 19)

Zusätzlich zur Hochlagerung werden die Beinvenen herzwärts ausgestrichen*.  Dies ist nach wie vor eine hochwirksame Methode, die leider vielerorts durch die Strümpfe verdrängt wurde. (Juchli, S. 172)

*Heutzutage darf man die Beinvenen laut Schule und Studium nicht mehr ausstreichen, da dadurch ein bereits vorhandener Thrombus gelöst werden und zu einer Embolie führen könnte.

MTS bewirken eine Kompression von 2,4 kPa bis 1,1 kPa (entspricht 18 mm Hg bis 8 mm Hg) vom Fußknöchel bis zur Mitte des Oberschenkels. (Juchli, S. 170)

Die Einheit des Drucks wird nach Blaise Pascal, einem französischen Physiker, der in der Mitte des 17. Jahrhunderts lebte, gemessen. (Anderson, S. 695)

Anmerkung: 1 kPa entspricht 7,5 mm Hg.

Nach der Formel von Laplace nimmt der Druck auf einen umspannten Körper in dem Maße ab, wie der Umfang des Körpers zunimmt.

Pierre Simon Marquis de Laplace lebte von 1749 bis 1827, er war französischer Mathematiker und Astronom. (Universallexikon 2004)

Da ein Bein vom Knöchel zum Oberschenkel an Umfang zunimmt, bedeutet dies, dass Medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe eine durchgehende Festigkeit und Druckkraft haben, aber aufgrund der Anatomie des Beines von distal nach proximal  weniger Druck ausüben.

Die Wirkung des MTS hängt entscheidend von seiner Passgenauigkeit ab. Um die richtige Strumpfgröße auswählen zu können, werden die entstauten Beine des Bewohners genau vermessen.

Die Messorte werden nach Herstellerangaben ausgewählt. Farbliche Markierungen erleichtern dem Pflegepersonal die Auswahl des Strumpfes.

Je mehr Messorte (Fessel, Wade, Oberschenkel und Gesamtlänge des Beines von der Ferse bis zur Gesäßfalte) ein Hersteller anbietet, desto besser wird der MTS sein Ziel erreichen.

In der Pflegepraxis wird die Strumpfgröße häufig mit „gutem Augenmaß“ ausgewählt. Dies ist ein Pflegefehler, da es nachweislich häufig zu Fehleinschätzungen um mindestens eine oder sogar  zwei Größen kommt. Der MTS ist unwirksam, sein Träger gefährdet.(Sander/Schneider, S. 19)

 

 Handlungskette MTS anziehen:

Die Pflegekraft greift in den Strumpf und hält das Fersenteil fest. Dann wird der Strumpf auf links gezogen. Das Fußteil wird umgestülpt und bis zur Ferse hochgezogen. Dabei muss beachtet werden, dass das Zehenfenster richtig liegt. Der Strumpf wird auf rechts über den Fuß gezogen, schrittweise wird der Überlappungsteil über die Ferse angehoben und weitergeschoben. Es muss darauf geachtet werden, dass das Fersenteil faltenfrei anliegt. Der Strumpf wird über den Unterschenkel gezogen und ohne Längszug über Knie und Oberschenkel angelegt. Das Haftband liegt direkt unterhalb der Gesäßfalte. Der faltenfreie Sitz und das Zehensichtfenster werden kontrolliert. (Sander/Schneider, S. 20)

 

Einige Kriterien zu Kontrolle der Wirksamkeit des MTS sind zu beachten:

Ein faltenfreier Sitz vermeidet Einschnürungen. Der Strumpf sollte auch rutschfest sitzen, um ein Einrollen bis zum Knie zu verhindern.

Eine tägliche Inspektion der Beinhaut ist unumgänglich, um Hauterkrankungen und Dekubitalgeschwüren vorzubeugen. Mehrmals täglich sollten die Zehen inspiziert werden, um eine venöse und arterielle Durchblutung sicherzustellen.

Um eine angestrebte dauerhafte Förderung des venösen Rückstroms zu erreichen, müssen die medizinischen Thromboseprophylaxestrümpfe mit in die Pflegeplanung aufgenommen werden. Folgende Aspekte sollten berücksichtigt werden:

Wann wurden die Strümpfe angezogen und wie findet die Kontrolle des sicheren, faltenfreien Sitzes statt? Fühlt sich der Bewohner mit dem MTS wohl?

Gab es Schwierigkeiten beim Anlegen? An welchem Datum muss das zwei- bis dreitägige Auswechseln der Strümpfe erfolgen?

 

In den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie (DGP) werden die wesentlichen Anforderungen an die Qualität eines MTS festgelegt:

Ein MTS soll eine anatomische Passform haben, sie wird durch die Elastizität des Gewebes in der Länge und in der Breite erreicht. Durch ein am Vorfuß angelegtes Sichtfenster muss beobachtet werden können, ob die Zehen gut durchblutet sind.

Der Andruck eines MTS darf maximal 21 mm Hg betragen (entspricht 2,8 kPa).

Er muss mindestens fünfzehn mal gewaschen werden können, ohne seine Kompressionsqualität zu verlieren. Außerdem sollte er möglichst weiß sein, um ihn von Kompressionsstrümpfen unterscheiden zu können.

Ein Haftband am Oberschenkelabschluss verhindert ein Herunterrutschen.

 

 

Literaturverzeichnis:

K.A.Anderson

Springer Lexikon Pflege

Springer-Verlag, Berlin – Heidelberg – New York 2000

 

Liliane Juchli

Pflege, 8. Auflage

Thieme Verlag, Stuttgart – New York 1997

 

Werner Kümmel/Helmut Siefert

Kursus der medizinischen Terminologie,  7. Auflage

Schattauer Verlag, Stuttgart 1999

 

Kirsten Sander/Kordula Schneider

Thromboseprophylaxe

Prodos Verlag,  Brake 1998
 

Universallexikon 2004

Mohndruck GmbH, Gütersloh 2003

 

 

 

 

 

 

 

 

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